Hunde beißen

Der will doch nur spielen

Der tut doch nichts.

Tut mir leid, wenn ich Hundebesitzer schon von Weitem mit diesem Schlachtruf zur Verteidigung ihres Hundes höre, stellen sich mir die Nackenhaare hoch.

Dieser 45 kg Hund, der da auf mich zugeschossen kommt, will also nur spielen?
Ich persönlich habe keine Angst vor Hunden, ich denke aber jeder Mensch, der Angst vor einer solchen Situation hat, hat seine Gründe und es ist verdammt noch mal die Pflicht eines jeden Hundebesitzers dieses zu respektieren.

Ich habe heute Morgen in den Nachrichten von einem erneuten Angriff eines Hundes auf einen 7 jährigen Jungen gehört.

Der Junge saß mit dem Besitzer des Hundes und seiner Mutter auf der Couch, als der Hund völlig unvermittelt zugebissen hat. Seine Attacke war so schwer, dass der Junge sofort operiert werden musste. Bisswunden am Kopf und an den Armen.
Die Zeitung und der Radiosender haben auch daraufhingewiesen, dass es sich um einen Kampfhundmischling gehandelt hat.

Na dann, ist doch alles klar oder?

Dann können wir Hundebesitzer von „Familienhunden“ ja weghören, denn das Problem mit den beißenden Bestien betrifft ja nur Kampfhundebesitzer.

Das ist Blödsinn und wenn ich lese „der Hund hat völlig unvermittelt“ zugebissen, dann kann ich mich nur fragen, wie gut kannte der Besitzer seinen Hund, bzw. den Hund im Allgemeinen?

Fehlverhalten ist unabhängig von der Rasse. Wer sich die Statistik der Beißvorfälle in Deutschland ansieht, wird entsetzt feststellen, dass des Deutschen liebster Vierbeiner, nämlich der Deutsche Schäferhund, auf Platz eins ist.

Also wo ist eigentlich das Problem?

Wie kann es passieren, dass auf den Straßen, in den Wohnzimmern usw. Hunde die Möglichkeit haben, Menschen und Kinder anzufallen?
Wieso müssen besorgte Mütter ihre Kleinkinder auf die andere Straßenseite bringen, wenn ihnen ein unangeleinter Hund entgegenkommt und vom Besitzer weit und breit keine Spur ist?

Die Einstellung der Menschen zum Thema Hund und dessen Erziehung ist das Problem. 

Jeder der in Deutschland Auto fahren will, muss einen Führerschein machen. Er lernt ein Auto zu fahren, er lernt die Regeln im Straßenverkehr.
Warum kann jeder einen Hund halten, ohne das Geringste über einen Hund oder die eigene  Verantwortung als Besitzer zu wissen?

In der Schweiz ist es seit einiger Zeit Pflicht, eine Hundehalterprüfung abzulegen. Dort gilt auch überall Leinenzwang, außer in speziell ausgewiesenen Auslaufgebieten.
Die Auslaufgebiete haben wir auch, leider interessiert es viele Hundehalter nicht, dass sie sich grade nicht in einem Solchen befinden, während ihre Hunde über den Spielplatz tollen.

Deutschland verlangt leider nur die Hundesteuer, aber noch keine Halterprüfung oder einen Sachkundenachweis.

Als Hundebesitzer sollte ich mich verpflichtet fühlen, mich mit dem Lebewesen Hund als solches zu beschäftigen. Und ich sollte genug Verantwortungsbewusstsein besitzen, dem Hund ein Mindestmaß an Erziehung zukommen zu lassen.
Nach meiner Meinung reicht es nicht, ab und zu am Samstag Martin Rütter zu schauen.

Ich habe die Verantwortung, Kinder und Mitmenschen davor zu schützen, sich von meinem Hund belästigt oder bedroht zu fühlen. Und ein kleines Kind fühlt sich bedroht, wenn der, ach so nette Golden Retriever, ihm den Kopf abschnüffelt. Da nützt ein „der tut nichts, der will nur mal gucken“ nichts.
Weder dem Kind noch der Mutter.

Ich persönlich habe diverse Lehrgänge absolviert. Meine verträumte Illusion war es, Hundebesitzern dabei zu helfen, ihren Liebling „umwelttauglich“ zu machen.
Nette Idee, aber ich bin gescheitert, nicht an den Hunden. Es waren die Besitzer.

 

Solange der Mensch in seinem Hund einen gleichberechtigten Partner sieht und menschliches Verhalten hineininterpretiert, werden Hunde beißen, in den Tiersammelstellen landen und am Ende eingeschläfert werden, für ein Versäumnis des Besitzers.

Ein gut erzogener Hund, der seine Position in der Gesellschaft kennt und seinem Besitzer vertraut, beißt nicht.

Er beißt nur, wenn er in die Enge getrieben, oder misshandelt wird.

Und hat man sich dazu entschieden seinen Hund, Hund sein zu lassen, und ihn zu erziehen, dann spielt die Methode die man wählt eigentlich nur am Rande eine Rolle.

Das Streiten darüber, welcher Weg der richtige ist, kann man getrost den Hundetrainern überlassen.

Wichtig ist doch nur, zu erkennen, dass mein Hund einen Grundgehorsam braucht.

Ich habe mir bei meinen Hunden die Frage gestellt, was will ich und was will ich nicht.
Ich möchte nicht, dass mein Hund an meinem Besuch hochspringt. Dann kann ich wählen, locke ich ihn mit Wurststückchen von meinem Besuch weg und stopfe ihm Wienerle ins Maul während ich meinen Besuch mit fettigen Fingern begrüße oder bringe ich ihm das Kommando „sitz“ bei und kann meinen Besuch fett- und stressfrei ins Haus bitten.

Wie auch immer Sie denken und welche Methode Sie auch wählen, ein gut erzogener Hund ist wichtig.

Wir leben grade in den Städten auf engstem Raum miteinander. Menschen und Hunde, und wir sollten uns respektieren und dafür sorgen, dieses Zusammenleben so stressfrei und ungefährlich wie möglich zu halten.

Der „Kampfhund-Mischling“ aus den Nachrichten wird den Vorfall sicher nicht überleben. Das hat der Hund nicht verdient, aber der 7 jährige Junge hätte niemals in diese Situation kommen dürfen.

Es gibt Hundeschulen wie Sand am Meer. Augen auf bei der Wahl. Hier ein paar Tipps, die Ihnen helfen können, die richtige Wahl zu treffen.

  1. Welpenstunden -  nur unter Aufsicht eines Trainers, der erkennt wann die Hunde pöbeln oder anfangen zu mobben.

  2. Stachelhalsbänder und Strombänder – absolutes Tabu. Stachelband und Strombänder beweisen nur eins: die absolute Unfähigkeit der Person, die davon überzeugt ist.

  3. Der Hund bekommt für jede Bewegung ein Leckerli - bedenklich, haben wir nicht genug Persönlichkeit unseren Hund anders zu bestätigen, als mit Lockmitteln? Also lieber Mal die eigene Person so reizvoll in Szene setzen, dass der Hund uns spannend findet und nicht nur die Knistertüte in der Jacke.

  4. Der Trainer nimmt uns den Hund ab, um etwas zu demonstrieren  - ausser in Ausnahmesituationen ganz schlecht. Es ist Ihr Hund und nur Sie halten ihren Hund. Also muss der Trainer sich klarer ausdrücken oder im besten Fall mit einem eigenen Hund vorführen.

  5. Das Training findet ausschließlich auf dem Gelände der Hundeschule statt.  – Gehorsam muss auch dort trainiert werden, wo es funktionieren soll. Also in der Fußgängerzone, in der U-Bahn, im Wald usw.

  6. Kommandos wie „bei Fuß“ sollen mit starken Leinenrucks und gebrüllten Kommandos unterstrichen werden – das ist unnötig und völlig veraltet. Hundeerziehung soll Freude machen, dem Hund und Ihnen.

Bei der Wahl der richtigen Hundeschule spielt auch ihr Bauchgefühl eine wichtige Rolle. Stört sie irgendetwas, fühlen Sie sich nicht richtig verstanden? Dann hören sie darauf und schauen sich lieber noch ein paar Alternativen an.

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